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Anlässlich meiner Sponsion in Informatik am 16.12.2011

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Liebes Festkommitee, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Angehörige!

Gratulation an die KollegInnen

Schön dass Sie sich Zeit für diesen festlichen Anlass genommen haben. Ich freue mich, an Sie ein paar Worte aus Sicht eines jungen Akademikers zu richten.

Zuerst einmal darf ich allen meinen Kolleginnen, die heute mit mir ihren akademischen Grad erhalten, gratulieren. Wir haben es geschafft! :-) Es wird sich schon bald zeigen, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben. Hinter uns liegt eine intensive Phase der Auseinandersetzung mit Informatik. Und das ist viel Wert, für uns selbst aber auch für die Wissenschaft und Wirtschaft. Die Chancen stehen gut, einen interessanten Beruf zu finden – sogar in einer drohenden Rezession.

Dank der Familie/Freunde:

Es ist aber nicht allein unserer eigenen Anstrengung zu verdanken, dass wir heute hier stehen dürfen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr werdet mir sicher zustimmen: Ohne die Unterstützung unserer Familie und ohne unsere engsten Freunde – einige sind heute hier anwesend - wäre das Durchhalten bis zum Schluss schwer gewesen – und manchmal unmöglich. In dem Sinne danke ich meiner Familie und meinen Freunden, dafür dass sie mich durch das Studentenleben und die Jahre davor begleitet haben. Außerdem danke ich ihnen, dass sie mich während meiner Zeit im Elfenbeinturm, nämlich beim Schreiben der Diplomarbeit, nicht vergessen haben.

Was wird von einer Akademikerin verlangt? Verstehen

Mit dem Erhalt des akademischen Grades haben wir gleichzeitig ein Versprechen gemacht. Nämlich das Versprechen, uns so zu verhalten, wie es die Informatik, unsere akademische Disziplin, verlangt. Doch was ist das, was von einer Akademikerin verlangt wird? Zuerst würde ich sagen, geht es darum, etwas zu verstehen, bzw. sich auf etwas zu verstehen. Mit anderen Worten: Fachkundig zu bleiben, auch nach dem Studium. Der Informatiker Donald Knuth würde das folgendermaßen formulieren: "Man versteht etwas nicht wirklich, wenn man nicht versucht, es zu implementieren." Und so ist die Verpflichtung zu verstehen auch eine, ins Detail zu gehen und sich die notwendigen Fähigkeiten dafür anzueignen.

An der TU Wien hatten wir ausreichend Gelegenheit dazu. Bei mir war es die Medizinische Informatik, bei anderen meiner Kolleginnen die Medieninformatik, das Informatikmanagement oder die digitale Bildverarbeitung. Wir konnten exzellentes Fachwissen erwerben und zusätzliche Erfahrungen sammeln, beispielsweise organisatorische Erfahrungen bei Lehrveranstaltungen, politische bei den Bildungsprotesten im Herbst 2009, und zwischenmenschliche bei Gruppenarbeiten... und natürlich bei Parties. Ich danke der TU Wien, ihren Angehörigen, weil sie für all das einen Rahmen geschaffen haben. Das hat zum Verstehen beigetragen. Außerdem hat es aus uns Persönlichkeiten gemacht, die fachliche und soziale Fähigkeiten haben.


Das Meisterstück des Verstehens war aber die Diplomarbeit. Wir konnten ein Thema bis ins letzte Detail ausarbeiten. Bei mir war es das Thema Datensicherheit in Smartphones. Mehr als 6 Monate habe ich mich mit aktuellen Forschungsansätzen auseinandergesetzt und sie weiterentwickelt.  Da gab es Momente, in denen alles klar war und andere, in denen ich gemerkt habe, dass ich nach 4 Monaten noch immer nicht bis zum Kern des Problems vorgedrungen bin. Doch umso mehr Freude hat es gemacht, als sich nach einem Einfall oder harter systematischer Arbeit die Erfolge einstellten.

Was wird von einer Akademikerin verlangt? Mut haben

Verstehen ist aber nicht genug. Eine Absolventin muss Mut haben. Den Mut, ihr Verständnis in konkreten Situationen einzubringen. Für uns Informatikerinnen geht es um Probleme die durch Informationstechnologie gelöst werden können. Aber auch um Probleme, die durch Informationstechnologie entstehen. Dazu muss das Problem erst einmal sichtbar und verständlich sein. Ein Beispiel:

Beispiel ELGA

Vor einigen Wochen gab es eine Sendung des Club 2 über den Elektronischen Gesundheitsakt (abgekürzt: ELGA). Über ELGA sollen medizinische Patientendaten (Befunde, etc.) leichter abrufbar gemacht werden. Das ist eine Herausforderung für Datenschützer, Ärztinnen, Patienten und Informatikerinnen. Doch das Diskussionsniveau im Club 2 war so wie wenn man über den Strom sagt, er kommt aus der Steckdose. Zu den eigentlichen Problemen und Chancen von ELGA, die ich im Rahmen meines Medizininformatikstudiums besser kennenlernen durfte, konnte die Sendung gar nicht vorstoßen. Stattdessen haben sich die Ärzte und die ELGA-Verantwortlichen gefetzt und die Zuseher blieben mit einem Fragezeichen im Kopf zurück.

Kurz und Knapp

Als junge InformatikerInnen haben wir Verantwortung, uns in öffentliche Diskussionen einzuschalten. Dort können wir komplexe Zusammenhänge verstehbar machen. Warum ist das mutig? Weil das Risiko besteht, dass man die Details in der Eile verkürzen muss. Man muss manchmal etwas in einer Wortmeldung sagen, wofür man eigentlich 2 Stunden oder 2 Jahre brauchen würde. Ich finde, das Risiko müssen wir eingehen, im Beruf und öffentlich. Dass wir uns auf Basis unserer Expertise, die wir an der TU Wien erworben haben, für ein besseres Verständnis von Technik im Alltag einsetzen, dafür wünsche ich uns Mut.


Dank dem Zufall:

Zum Schluss möchte ich noch einen Dank aussprechen, jedoch weiß ich nicht an wen ich ihn richten soll. Es geht um den Zu-Fall. Es gibt Situationen und Gelegenheiten, die wir nicht durch unsere eigene Leistung, aber auch nicht nur durch die Mithilfe anderer erklären können. Nach der bekannten Darstellung von Max Frisch im Roman „Homo faber“ glauben Techniker nicht an Schicksal oder Fügung. Nur an Zufälle, die sie so weit es geht durch Wahrscheinlichkeiten unter Kontrolle bringen möchten. Doch Max Frisch lässt den Protagonisten des Romans (Den Ingenieur Walter Faber) nicht bei dieser Meinung stehen. Ein Zufall ist eben etwas, was einem zu-fällt --- eine überraschende Gelegenheit. Zum Beispiel wurde ich gefragt, ob ich heute diese Rede halten möchte. Meine wichtigsten Entscheidungen waren Antworten auf Zu-fälle. Sie haben dazu geführt, zu studieren, ein Doppelstudium in Informatik und Philosophie zu wagen, ein Semester erfolgreich in der französischsprachigen Schweiz zu studieren obwohl ich kein Wort Französisch verstanden habe. Und vieles mehr.

Einer meiner Lieblingssprüche seit meiner Kindheit lautet: „Ordnung ist das halbe Leben. Ich lebe in der anderen Hälfte.“ Der Spruch ist simpel und präzise. Unser Leben findet nicht in einer totalen Ordnung statt. In einer totalen Ordnung würde ein Versprechen keinen Sinn machen, denn entweder ist etwas der Fall oder nicht. Wenn wir versprochen haben, uns den Details einer Sache zu verpflichten und gleichzeitig den Mut zur verkürzten Darstellung für wichtig halten, dann lässt sich nicht vorhersagen, ob es gelingen wird. Und trotzdem können wir es versprechen. Weil es im Leben nicht nur um Gewissheit, Disziplin, Zielstrebigkeit und Genauigkeit geht, sondern weil wir den Zufälligkeiten des Lebens wichtige Impulse verdanken. Die Mischung aus Disziplin und Zu-Fall, liebe Anwesende, hat mir erlaubt, nun als junger Akademiker vor Ihnen zu stehen. Dafür möchte ich mich also bedanken --- und nachdem ich nicht weiß, wer für solche Zu-Fälle zuständig ist: Lasst uns doch diesen Tag feiern mit den Menschen die uns wichtig sind! Ich wünsche uns - liebe Kolleginnen und Kollegen - alles Gute für die Zukunft!

 

 

Verwerfung, Emulation und Bemächtigung globaler Netzwerke. Bildungsproteste in Österreich

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Am 11.05. habe ich an der Andrássy Universität in Budapest einen Vortrag im Rahmen eines Workshops gehalten. Der Workshop hatte die Entwicklung eines europäischen Hochschulraums zum Thema, mit besonderer Berücksichtiigung des Donauraumes.

Ein paar zentrale Zitate, um die herum man meinen Vortrag verstehen kann:
"„Die Bewegung ist in diesem Sinne so offen und allgegenwärtig - ubiquitous - wie das WWW selbst. Die ,digital community‘ sorgt so nicht nur für die Allgegenwart des Anliegens „Freie Bildung!“ sondern lebt auch vor, was unter freier Bildung verstanden werden könnte." 
Projektbeschreibung  Ars Electronica “The ubiquitous #unibrennt cloud”

"Recent protests in some countries, partly directed against developments and measures not related to the Bologna Process, have reminded us that some of the Bologna aims and reforms have not been properly implemented and explained. We acknowledge and will listen to the critical voices raised among staff and students. We note that adjustments and further work, involving staff and students, are necessary at European, national, and especially institutional levels to achieve the European Higher Education Area as we envisage it. "
Bologna Budapest-Vienna-Declaration 2010

"Don't hate the media - be the media!"

"Die ,digital community‘ ist im Stande, viele Menschen zu erreichen, ohne auf die Strukturen der kapitalistischen Medienlandschaft zurückgreifen zu müssen"
Projektbeschreibung  Ars Electronica “The ubiquitous #unibrennt cloud”

Anlagen:
Diese Datei herunterladen (Bildungsproteste in Österreich (unibrennt) - final.pdf)Folien - Billdungsproteste in Österreich (unibrennt) - final.pdf[Vortragsfolien zu Verwerfung, Emulation und Bemächtigung globaler Netzwerke]406 Kb19.05.2011 20:19
Diese Datei herunterladen (Vortrag_Verwerfung_und_Bemächtigung_FINAL.pdf)Manuskript - Billdungsproteste in Österreich (unibrennt) - final.pdf[Manuskript zu Verwerfung, Emulation und Bemächtigung globaler Netzwerke]102 Kb19.05.2011 20:20
 

Bachelorarbeit II : Gödels ontologischer Gottesbeweis

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Der zweite Teil der Arbeit über ontologische Gottesbeweise (und Gödels Beweis(e) im Speziellen) beschäftigt sich etwas allgemeiner mit der Thematik rund um das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren dieser Beweise in der Geschichte sowie  den Begrifflichkeiten Notwendigkeit, Möglichkeit und Existenz.

Jene Gottesbeweise, die als erster Kant als ontologisch bezeichnet, haben bisher mindestens drei Rollen in der Philosophie gespielt:

  • Als Forschungsgebiet der analytischen Philosophie. Man interessiert sich dafür, ob das Argument folgerichtig im Rahmen einer bestimmten Logik ist. Welche Prämissen und Schlussregeln sind nötig, damit das Argument gültig ist? Sind diese Modellierungen plausibel? Welche Semantik liegt den verwendeten Symbolen zugrunde? Die Arbeit von Wolfang L. Gombocz kann als ein Beispiel dieser Art zählen. Er untersucht darin wie die Semantik des Existenzprädikats im ontologischen Argument modelliert wurde bzw. wie eine Logik beschaffen sein muss, um sie plausibel zu modellieren.
  • Als zentrales Argument für eine „rationalistische Metaphysik“, ohne dem kein a priori Bezug zwischen Denken und Wirklichkeit hergestellt werden kann. Diese Rolle findet sich bei Descartes, Leibniz, Wolff aber auch noch dem vorkritischen Kant: Das Argument wird als hoch relevant für die Philosophie eingestuft. Wolfgang Röd führt eine systematische und historische Analyse dieser Metaphysik durch und expliziert die Bedingungen, unter denen die Plausibilität des ontologischen Arguments nicht nur relevant, sondern zur Erhaltung einer bestimmten Vorstellung von Metaphysik vor allem des 17. und 18. Jahrhunderts konstitutiv ist.
  • Im Mittelalter tauchte die Frage der Gottesbeweise als heikler Spezialfall der Universalienfrage auf. Ein Spezialfall, weil es nicht um Allgemeinbegriffe überhaupt, sondern um den Begriff Gottes geht und man sich daran anschließend zwei Unterfragenstellen kann: Gibt es den Begriff (in welchem Sinne und braucht man dazu Erfahrung über die Welt?) und zweitens: Wenn es diesen Begriff gibt, hat man dadurch schon die Existenz Gottes? Heikel ist dieser Spezialfall, weil einem eine Position dazu, die Konzilbeschlüssen oder der Heiligen Schrift widersprach, leicht das Leben kosten konnte. Argumentationen dienten zur Verteidigung religiöser Inhalte und waren von den offenbarten Inhalten gewissermaßen abhängig. Gewissermaßen, weil es durchaus mittelalterliche Strömungen gab, in der rationalen Argumentationen Eigenständigkeit zugesprochen wurde. Die Gottesbeweise aus dieser Zeit (Anselm, Thomas von Aquin) sind ein zentrales Beispiel für den Versuch, Inhalte aus der Offenbarung durch Argumente einsichtig zu machen.


Vor dem Hintergrund dieser Rollen begegnet man Gödels jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Beweis und findet Charakteristika beider Rollen in seinen Notizen und den Biographien. Man findet bei ihm eine Mischform, in der die äußere Erscheinung seines Beweises ausschließlich durch die Konstruktion eines axiomatischen Systems gegeben ist. Diese äuße-
re Form ist aber, und das fehlt üblicherweise, wenn sich Philosophen ab dem 20. Jahrhundert mit diesem Argument beschäftigen, getragen von Grundprämissen des Rationalismus. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Gödel an die Realität von idealen Wesenheiten glaubte, die nur durch den Verstand und dessen Intuitionen fassbar sind.

Diesen Rollen wird im Rahmen dieser Arbeit näher nachgegangen.

Anlagen:
Diese Datei herunterladen (goedel2.pdf)Bachelorarbeit_II_Goedels_ontologischer_Gottesbeweis.pdf[Bachelorarbeit II - Gödels ontologische Gottesbeweise]542 Kb25.12.2010 15:41
 

Philosophie und Informatik. Eine Störung und drei Architekturen

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Anbei ein für den Tagungsband "Junge Philosophie" der TU Darmstadt abgelehnter Artikel zum Thema der Tagung "Brüche, Brücke, Ambivalenzen" im Jahr 2009. Anbei der Begleittext, der die Gründe der Ablehnung enthält:

- Die Rekonstruktion der Philosophie unter einer Hinsicht verschiedener
Architekturen überzeugt uns nicht, da diese Begriffe nicht systematisch aus der
Theorie heraus entwickelt werden, stattdessen erscheinen sie uns als Metaphern
jeweils pragmatisch herangezogen, ohne dass sie selbst einen systematischen
Zusammenhang entwickeln.
- Dies führt schließlich dazu, dass die Metaphorik nicht nur nicht
systematisch entwickelt wird, sondern auch nicht kritisch hinterfragt wird.
Uns erscheint ihre Verwendung dagegen affirmativ, um jedoch etwas zu zeigen, was
uns nicht zu überzeugen vermag.
- Ein Grund ist hier tatsächlich das gänzliche Fehlen von Literaturbezügen. An
den wenigen Stellen, wo sich diese formaliter finden, werden sie kaum kritisch
reflektiert. Eine systematische Auswahl der Literatur findet nicht statt,
sondern stattdessen erfolgt diese im negativen Sinne eklektizistisch.

Als "Nachwachsender" bin ich abgesehen von der Meinung der Jurie in Darmstadt auch an anderen Beurteilungen und Anschlussüberlegungen interessiert, darum veröffentliche ich den Beitrag hier.

Anlagen:
Diese Datei herunterladen (infUPhilo_Störungen_Architekturen.pdf)infUPhilo_Störungen_Architekturen.pdf[ ]144 Kb13.11.2010 10:57
 

bedingte Universität

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Es treten momentan wieder erfreuliche Überschneidungseffekte auf, die mich nach einer längeren Durststrecke daran erinnern, dass die Untersuchung und das Aufhalten in unterschiedlichen Sphären nicht bloßer Zeitvertreib und isolierte Nebenläufigkeit sind, sondern auch produktive Beiträge und neue Verknotungen zulässt. Diesmal ist es die Schnittstelle zwischen einem Referat über die Libet-Experimente, einer Lehrveranstaltung zu strategischer Unternehmensführung und der aktuellen Hochschulorganisation an den Universitäten.

Machen wir doch einmal ernst damit, dass in einer Gesellschaft, wo kognitive Fähigkeiten die wesentliche Prdouktivkraft geworden sind (was den Inhalt des sogeannten kognitiven Kapitalismus ausmacht), die Universitäten auf andere Weise in die Pflicht genommen werden. Sie muss weiterhin den Spagat machen zwischen Kritik an herrschenden Zuständen, Beiträgen zur Anwendungsentwicklung und der Bereitstellung neuer jPerspektiven bei der Grundlagenforschung; zunehmend fordert die Gesellschaft aber rein quantitativ betrachtet Arbeitskräfte und Bürgerinnen, die den Herausforderungen der komplexen Zusammenhänge gewachsen sind, die auch den Alltag immer mehr prägen.

Machen wir also ernst mit der Betrachtungsweise der Universitäten unter dem Gesichtspunkt des Wissensmanagements. Es handelt sich um eine Organisation, die Akademikerinnen "produziert" und die einer Reihe von Rahmenbedingungen aus der Gesellschaft unterworfen ist.

Aus der systemischen strategischen Unternehmensführung kann man Impulse bekommen, wenn es darum geht, sich einerseits den sich ständig ändernden Umwelt- und Rahmenbedingungen zu erwehren und andererseits ein Selbstverständnis und eine Vision zu entwickeln, um selbst Impulse und Akzente setzen zu können anstatt bloß den Rahmenbedingungen hinterher zu laufen.

Das passt ganz gut zu einer Aussage von Benjamin Libet, der nach einer Re-Lektüre seiner Experimente im Jahr 1999 mit einem Zitat von Isaac Bashevis Singer schhließt: "Das größte Geschenk der Menschheit ist die freie Wahl. Es ist richtig, dass wir beim Gebrauch dieser freien Wahl begrenzt sind. Aber das wenige an freier Wahl, das wir haben, ist ein solch großes Geschenk und ist potentiell so viel Wert, daß es sich lohnt, gerade dafür zu leben."

Die Universitäten sind kein von der Gesellschaft abgesonderter Bereich sondern sind in einer Inderdepedenz mit den Vorgängen in ihr und das umso stärker je mehr wir nach Wissen, Technologischem Know How und entscheidenden Ideen funktionieren. Das schränkt natürlich die freie Wahl ein: Bei der Auswahl der Forschungsfragen sind wir von Projektauftrag, Ressourcen, Förderungen abhängig; die Lehrenden sind an "Learning Agreements" und den Lehrveranstaltungszielen der Curricula gebunden; die Studierenden vom Angebot der Lehrveranstaltungen den Studienplänen und der Finanzierung durch einen Job, durch Stipendien oder Finanzierung der Eltern. Und zu unserem Entsetzen ist auch noch unsere Zeit begrenzt und von obligatorischen Terminen durchsetzt. Die lokale Gesetzgebung schränkt die Organisationsstruktur der Universitäten ein; Rektor, Universitätsrat, Senat und Studierende haben eine Reihe von Aufgaben und Verantwortungen; die sich sprungartig ändern können. Umso wichtiger, das ist immer noch eine Lehre aus der Perspektive von strategischer Unternehmensführung und betriebswirtschaftlicher Perspektive: Wir müssen uns fragen, was Universitäten sind und wo sie in naher Zukunft hin möchten. Wenn wir uns bei dieser Frage einig werden könnten, stünde die betriebswirtschaftliche Perspektive zur Disposition (wo sie vorher Sachzwänge geschaffen hat). Ausgehend von dem Wert der Universitäten kann man über ihren Preis diskutieren. Als ob wir uns da jemals einig werden könnten... und zu einem Stillstand darüber gelangen, was der Wert einer Universität sein soll, um danach ihren Preis bestimmen zu können.(Tatsächlich arbeiten Spieltheoretische Methoden mit der Annahme, jeder Agent wüsste für sich genau den Wert einer auf dem Spiel stehenden Sache)

Vielmehr scheinen mir Wert und Preis miteinander zu interagieren - und das nicht notwendigerweise in einer Über-Unterordnungsrelation ( Der Preis ist eine Funktion des Werts oder umgekehrt).

Man kann die ökonomische Perspektive als Folie verwenden, um komplexe Vorgänge der Universität zu betrachten, warum sollte man darauf verzichten und sich hochmütig und stur verschließen gegen jedes ökonomische Argument? Wichtig ist, die Relativität und Bedingtheit der Argumente zu sehen und zwar relativ zu dem, was gerade nicht mitbedacht wird und was daher - weil es im Moment kein Preisschild hat, wertvoll ist. Worauf man gehen muss ist, den bedingten Handlungsspielraum der Universitäten ins Werk zu setzen und damit zu demonstrieren, dass jede hinreichend komplexe stabile Struktur diagonalisierbar ist und daher schon einen Anhaltspunkt bereitstellt, über sie hinauszugehen und sie zu verändern. Ein Pointer ins Unbestimmte.

 


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