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bedingte Universität

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Es treten momentan wieder erfreuliche Überschneidungseffekte auf, die mich nach einer längeren Durststrecke daran erinnern, dass die Untersuchung und das Aufhalten in unterschiedlichen Sphären nicht bloßer Zeitvertreib und isolierte Nebenläufigkeit sind, sondern auch produktive Beiträge und neue Verknotungen zulässt. Diesmal ist es die Schnittstelle zwischen einem Referat über die Libet-Experimente, einer Lehrveranstaltung zu strategischer Unternehmensführung und der aktuellen Hochschulorganisation an den Universitäten.

Machen wir doch einmal ernst damit, dass in einer Gesellschaft, wo kognitive Fähigkeiten die wesentliche Prdouktivkraft geworden sind (was den Inhalt des sogeannten kognitiven Kapitalismus ausmacht), die Universitäten auf andere Weise in die Pflicht genommen werden. Sie muss weiterhin den Spagat machen zwischen Kritik an herrschenden Zuständen, Beiträgen zur Anwendungsentwicklung und der Bereitstellung neuer jPerspektiven bei der Grundlagenforschung; zunehmend fordert die Gesellschaft aber rein quantitativ betrachtet Arbeitskräfte und Bürgerinnen, die den Herausforderungen der komplexen Zusammenhänge gewachsen sind, die auch den Alltag immer mehr prägen.

Machen wir also ernst mit der Betrachtungsweise der Universitäten unter dem Gesichtspunkt des Wissensmanagements. Es handelt sich um eine Organisation, die Akademikerinnen "produziert" und die einer Reihe von Rahmenbedingungen aus der Gesellschaft unterworfen ist.

Aus der systemischen strategischen Unternehmensführung kann man Impulse bekommen, wenn es darum geht, sich einerseits den sich ständig ändernden Umwelt- und Rahmenbedingungen zu erwehren und andererseits ein Selbstverständnis und eine Vision zu entwickeln, um selbst Impulse und Akzente setzen zu können anstatt bloß den Rahmenbedingungen hinterher zu laufen.

Das passt ganz gut zu einer Aussage von Benjamin Libet, der nach einer Re-Lektüre seiner Experimente im Jahr 1999 mit einem Zitat von Isaac Bashevis Singer schhließt: "Das größte Geschenk der Menschheit ist die freie Wahl. Es ist richtig, dass wir beim Gebrauch dieser freien Wahl begrenzt sind. Aber das wenige an freier Wahl, das wir haben, ist ein solch großes Geschenk und ist potentiell so viel Wert, daß es sich lohnt, gerade dafür zu leben."

Die Universitäten sind kein von der Gesellschaft abgesonderter Bereich sondern sind in einer Inderdepedenz mit den Vorgängen in ihr und das umso stärker je mehr wir nach Wissen, Technologischem Know How und entscheidenden Ideen funktionieren. Das schränkt natürlich die freie Wahl ein: Bei der Auswahl der Forschungsfragen sind wir von Projektauftrag, Ressourcen, Förderungen abhängig; die Lehrenden sind an "Learning Agreements" und den Lehrveranstaltungszielen der Curricula gebunden; die Studierenden vom Angebot der Lehrveranstaltungen den Studienplänen und der Finanzierung durch einen Job, durch Stipendien oder Finanzierung der Eltern. Und zu unserem Entsetzen ist auch noch unsere Zeit begrenzt und von obligatorischen Terminen durchsetzt. Die lokale Gesetzgebung schränkt die Organisationsstruktur der Universitäten ein; Rektor, Universitätsrat, Senat und Studierende haben eine Reihe von Aufgaben und Verantwortungen; die sich sprungartig ändern können. Umso wichtiger, das ist immer noch eine Lehre aus der Perspektive von strategischer Unternehmensführung und betriebswirtschaftlicher Perspektive: Wir müssen uns fragen, was Universitäten sind und wo sie in naher Zukunft hin möchten. Wenn wir uns bei dieser Frage einig werden könnten, stünde die betriebswirtschaftliche Perspektive zur Disposition (wo sie vorher Sachzwänge geschaffen hat). Ausgehend von dem Wert der Universitäten kann man über ihren Preis diskutieren. Als ob wir uns da jemals einig werden könnten... und zu einem Stillstand darüber gelangen, was der Wert einer Universität sein soll, um danach ihren Preis bestimmen zu können.(Tatsächlich arbeiten Spieltheoretische Methoden mit der Annahme, jeder Agent wüsste für sich genau den Wert einer auf dem Spiel stehenden Sache)

Vielmehr scheinen mir Wert und Preis miteinander zu interagieren - und das nicht notwendigerweise in einer Über-Unterordnungsrelation ( Der Preis ist eine Funktion des Werts oder umgekehrt).

Man kann die ökonomische Perspektive als Folie verwenden, um komplexe Vorgänge der Universität zu betrachten, warum sollte man darauf verzichten und sich hochmütig und stur verschließen gegen jedes ökonomische Argument? Wichtig ist, die Relativität und Bedingtheit der Argumente zu sehen und zwar relativ zu dem, was gerade nicht mitbedacht wird und was daher - weil es im Moment kein Preisschild hat, wertvoll ist. Worauf man gehen muss ist, den bedingten Handlungsspielraum der Universitäten ins Werk zu setzen und damit zu demonstrieren, dass jede hinreichend komplexe stabile Struktur diagonalisierbar ist und daher schon einen Anhaltspunkt bereitstellt, über sie hinauszugehen und sie zu verändern. Ein Pointer ins Unbestimmte.