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Wir und die anderen

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- Wir und die Anderen -
(30.10.2008)

Nehmen wir an, es gibt Eliten. Es gibt Eliten, von denen wir, die wir Töchter und Söhne von einfachen Bürgern sind, nicht erahnen können, welche Intentionen und Wünsche sie verfolgen. Nehmen wir weiter an, selbst wenn wir aufdecken könnten, welche Machtstrukturen sich hinter dieser Black Box verbergen, wir könnten unseresgleichen nicht mobilisieren, dagegen etwas zu unternehmen. Welche Folgen hat das für unser aktuelles Tun und Handeln?

Was wir beeinflussen können ist, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Wir können uns selbst ermahnen, keine wie immer gearteten Eliten zu bilden. Außerdem denke ich, kann man argumentieren, dass wenn wir versuchen, die - entsprechend unserer Annahme existierenden - Eliten anprangern und negativ konnotieren, dann ist das Wir/die Anderen-Schema weiterhin aufrecht erhalten. Doch andererseits kann man die Notwendigkeit von solchen Unterscheidungen nicht verleugnen. Man muss IMHO mit den Begrenzungen dynamisch umgehen, sie ironisch benutzen, dort und da aufheben und durch andere Grenzen durchkreuzen um den Möglichkeitsraum und die Vorläufigkeit von Grenzen deutlich zu machen.

Damit möchte ich das Zentrum der Fragestellung verschieben. Es geht gar nicht so sehr darum, wer da draußen die Fäden zieht, sondern es geht darum, wie wir selbst innerhalb unseres begrenzten Handlungsspielraums entscheiden zu handeln. Sehr oft spinnen auch wir Intrigen, die man im Vergleich zu den Eliten vielleicht als lässliche Sünden bezeichnen kann, doch diese Tendenz, andere auszugrenzen, den anderen im Unwissen zu lassen, Informationsfluss aus bestimmten Gründen nicht öffentlich zu machen, wohnt uns allen inne und ich glaube nicht, dass wir mit Attacken auf eine (reale oder imaginäre) Elite eine konstruktive Lösung für diese Tendenzen provozieren. Wir schüren damit nur Misstrauen und reden uns ein, dass wir die Marionetten sind, die notwendigerweise nicht handeln können, weil die Puppenspieler uns keine Wahl lassen. Die Verantwortung für unser Handeln kann uns niemand nehmen. Wie sehr wir uns von Rahmenbedingungen leiten lassen, oder wie sehr wir sie zu verändern trachten, ist eine Frage unseres Engagements, unserer (Un)zufriedenheit und unseres Mutes.

Damit ist nicht gesagt, dass alle (inter)nationalen Regelungen auf Handlungen von Einzelnen reduziert werden könnten. Diese und die impliziten Regelungen schaffen die Rahmenbedingungen. Wir aber können sie modifizieren, anders auslegen und entsprechend in der Praxis handeln. Wen kümmert es heute zum Beispiel, dass er sich bei den MP3s, die er runterlädt, strafbar macht? Viele betrachten es als moralisch nicht verwerflich, Tracks zum Probe- oder Dauerhören runterzuladen. Die Gesetze in diesem Zusammenhang entsprechen nicht mehr den Einstellungen und Empfindungen der Konstituenten dieser Gesellschaft, was in anderen Bereichen sehr wohl der Fall ist. Wir werden sehen, dass früher oder später die Gesetze in den Bereichen, wo die Entsprechung zwischen Gesetz und Praxis nicht mehr gegeben ist, das Gesetz modifiziert wird. Durch Revolution, Reform und/oder weil die alten Interessensvertreter aussterben.