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FEST-Halten und Loslassen

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FEST-Halten und Loslassen
24.10.07

Gut, es ist verständlich, dass wir einfache Erklärungen für unsere Phänomene haben wollen. Es ist derart, wie Spencer-Brown sagt: Wir wollen jeglichen Überraschungseffekt durch die Umwelt (Andere und Anderes) vermeiden und bauen uns darum einen Wall aus Argumenten, der unsere Illusion aufrecht erhält, wir hätten es mit statischen und wohl geordneten Strukturen zu tun. Darum sind Kinderfragen auch so unangenehm, da sie von einem noch ganz dynamischen Geist kommen.

Es wäre schön, wenn wir hier eine Ursache haben und dort eine Wirkung und wir könnten tatsächlich und notwendig ihren Zusammenhang fest-stellen. Hinter diesen Erklärungsmustern steckt natürlich auch ein Pragmatisches Motiv. Denn ohne gewisse Fest-stellungen könnten wir keine Handlung noch so geringer Komplexität ausführen. Ich muss im Alltag einfach daran glauben, dass der Zug nach einem Zugplan fährt. Doch was wir dabei nicht vergessen sollten ist die kleine aber gewichtige Voraussetzung: Dass es nämlich auch anders sein könnte. Wir sollten unseren Geist, unsere Gedanken, und diese Möglichkeit bietet die Reflexion, immer in gewissen Schranken offen halten. Wenn jemand mich anspricht, kann es sein, dass er andere Dinge fest-gestellt hat und ich mit meinen Feststellungen nicht so gut verstehen kann, was er sagt. Wir konstituieren uns gemeinsam eine Welt, einen Raum mit anderen, in dem wir leben. DASS der Zug überhaupt fährt, hat auf alle Fälle auch soziale Gründe. Denn würde nur ich selbst diese Linie fahren wollen, wäre es sehr unwahrscheinlich, dass die Gesellschaft, von der ich ein Teil bin, dies unterstützen würde.