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Home Schriften Zu Studienbeginn Über die Herausforderung der Vermittlung von Informatik und Philosophie

Über die Herausforderung der Vermittlung von Informatik und Philosophie

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Soeben habe ich aus dem Hörbuch "Lebenslinien" von Gotthard Günther eine ähnliche Problemstellung, wie ich sie im Prolog, in der Programmschrift sowie in der Demonstration zur wechselseitigen Konstitution formuliert habe, vernommen.

Gotthard Günthers Argumentation bewegt sich grob gesagt auf den Boden folgender 2 Punkte:
a.) Die enorme Bedeutung der Kybernetik seinerzeit (man bemerke seine Arbeiten am BCL (Biological Computer Laboratory)) in der Günther einen fruchtbaren Ausweg aus der müßigen Streitfrage um dialektischen Idealismus und dialektischen Materialismus sah.
b.) Die aus der deutschen Philosophietradition heraus entwickelte Transzendentalphilosophie von Kant über Hegel bis Schelling.

Beide Richtungen, so Günther, hätten trotz ihrer so verschiedenen Sprachen und Zugänge grundsätzlich dieselbe Aufgabe: Nämlich, den Übergang vom Subjekt zum Objekt und umgekehrt zu erklären.

 

 

Die Chance der "deutschen Forschung" wäre demnach die von der Transzendentalphilosophie entwickelte dialektische Theorie (die sowohl den Idealismus als auch den Materialismus beinhaltet, weil sie prinzipiell zweideutig ist) formallogisch zu beschreiben, dass sie mit einer computationelen Theorie, einer allgemeinen Maschinentheorie vereinbar ist.
Mit diesem Arbeitsziel scheint mir ein Gedanke formuliert, der sich heutzutage, nach klanglosem Niedergang der Kybernetik (wenn man das überhaupt sagen kann), wieder in den Kognitionswissenschaften anwenden lässt.

Für mich als technisch/informatisch geprägter und von den philosophischen Gedanken angetriebener Student ist dies eine Aufforderung, mich dieser Schwierigkeit zu widmen.
So gilt es, wie Günther weiter sagt, die historisch bedingten Termini & Formulierungen der Transzendentalphilosophie auf eine technisch/pragmatische Ebene zu bringen, um sie computational verarbeitbar zu machen. Eine Aufgabe, die relativ gut meinen Vorstellungen einer Forschungstätigkeit entspricht.

Die heute gängige Form der Datenkapselung macht genau die "cartesianische" Grenzziehung von Subjekt und Objekt mit, die aber bei spezifisch bewusstseinshaften Phänomenen der Struktur nach nicht angemessen ist. Sie mag zwar für tote Dinge in der Welt gut funktionieren, aber wenn es um das Begreifen dessen geht, der diese Dinge handhabt, erkennt, "managed", zeigen sich sehr bald Grenzen dieser Unterscheidung. (mit diesen Methoden lassen sich im besten Fall Approximationen an die Leistungen des Beziehungsbegabten Wesens erreichen, siehe Sprachverarbeitung).

Was heute in Form von Metamodellierung, oder Ontologien in der Informatik auftritt, werte ich als den Versuch, von rein technisch/heuristisch machbaren und experimentellen Methoden zu reflektierteren Theorien und Methoden zu kommen und sich überhaupt die Frage zu stellen, welche Aufgabenstellungen und Probleme sich eigentlich ergeben, will man Leistungen eines Beziehungsbegabten Wesens (in klassischen Termini: "DES Bewusstseins") nachvollziehen und simulieren.
Schade, dass man noch zu sehr auf das unmittelbare Ziel, die Lösungen der einzelnen Anwendungsprobleme fixiert ist. Das liegt vor allem an der auch bereits von Descartes vorgeschlagenen Methode, die Probleme in kleine Stückchen zu zerteilen (Divide and Conquer-Ansatz), die in der Informatik sehr beliebt geworden ist. Aber der Wunsch nach systematischeren Theorien lässt sich ausmachen, nur scheinen die dafür verwendeten Tools, die Mathematik und die Logik (in all ihren Spielarten wie z.B.: Modallogik oder Fuzzy-Logik) nicht hinreichend zur Bewältigung zu sein.
Die Fixierung, wie ich oben ausführte, verwehrt jedenfalls den Blick auf vielversprechendere Lösungen, wie z.B. den Versuch, neuartige Tools zu entwickeln im Rückgang auf Stärken und Schwächen philosophischer Überlegungen.
Eine Philosophie, die ja nicht unbedingt ergebnisorientiert ist, sondern die Struktur ihrer Probleme zu untersuchen trachtet & verschiedene Wege zu gehen bereit ist, wenn sie nur der "Sache selbst" (vgl. Husserl) näher kommt, scheint hier mehr von Erfolg gekrönt.

Die kommenden Jahre können eine spannende & revolutionäre (mit Kuhn gesprochen: einen Paradigmenwechsel versprechende) Zeit werden, vor allem für Informatiker und Philosophen, die bereit sind, ihre Tradition & ihren Methoden kritisch zu reflektieren & sich ihren Problemen selbst widmen.

Wichtig ist für dieses Forschungsfeld, dass sie das, was sie predigt, auch tut. In einer meiner Formulierungen sprach ich einmal von der Vermittlung des Inhalts und dem Inhalt der Vermittlung, und dass beide miteinander kompatibel sein sollten.

Ich vermittle folgenden Inhalt: (= Inhalt der Vermittlung)
Verwerfen der statischen Grenzen von Zentrum & Peripherie
Entwickeln eines Formalismus, der die wechselseitige Konstitution implementiert.

Die Methode, wie dieser Inhalt vermittelt wird (=Vermittlung des Inhalts), muss also schon diese Erkenntnis berücksichtigen & dies scheint mir gerade bei dem Versuch, formallogische und inhaltliche Disziplinen zu vereinen, aber trotzdem zu unterscheiden, gegeben.
Vielleicht sollte man der Verständlichkeit halber auch von der Vermittlung der Methode und der Methode der Vermittlung sprechen oder von der Vermittlung meiner Theorie und der Theorie meiner Vermittlung.

Indem ich nämlich das Problem theoretisch gelöst habe, wie ich zwischen Zentrum & Peripherie einen Übergang durchzeichnen kann, habe ich auch, und das dürfte ein Novum in der Wissenschaftsgeschichte sein, das Problem praktisch gelöst, nämlich indem ich mein Denken so umgestellt habe, DASS es bei der Vermittlung meiner Theorie / oder Methode bereits zur Anwendung kommt. Darin mag auch ein Stück impliziter Ethik mitspielen, das es dann unnötig, macht, explizit darüber zu reden. Denn es scheint dann sogar dem Ziel der Ethik zu widersprechen, explizit darüber zu reden. Denn rede ich ÜBER die Ethik, verhindere ich dadurch, sie auszuleben und bleibe einfach nur ein Prediger, der nicht das durchzuführen imstande ist, worüber er spricht. (vgl. die Zielsetzung, hier: mich richtig und gut zu verhalten, verhindert den Inhalt der Zielsetzung überhaupt zu erreichen)

 

Wir leben in einer Zeit, in der die Informatik einen großen Teil unseres Lebens beherrscht, wir aber nicht imstande sind, die Informatik gemäß unserem Leben einzurichten, sondern es eher an den Möglichkeiten und Einschränkungen, die die Informatik vorgibt, auszurichten. Wir erleben, dass in Pflegeheimen oder Krankenhäusern das Personal Stunden vor dem Computer sitzen muss und Terrabyteweise die Datenbanken füllt, anstatt ihrer eigentlichen Be-rufung nachzugehen: Der Pflege von Alten und Kranken. Dies wäre ein weiterer Fall des Paradoxons, dass durch die Zielsetzung, die Menschen besser zu pflegen, die Menschen SELBST in den Hintergrund gelangen, und nur noch zu einem kontrollier-&steuerbaren Objekt werden. Aber man will natürlich nur die bestmögliche Pflege für alle. Dies werte ich als eine Stützung meiner Überzeugung , dass es ein neues Wissenschaftsmodell benötigt, um die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis wieder zu nivellieren und ein kreatives forschend-handelndes Be-Greifen mit dem, was man eigentlich erreichen will, zu fördern. Man sollte vermeiden, in zu statisch definierte Begrifflichkeiten zu verfallen, die in der Informatik, bedingt durch ihre Struktur, natürlich freudig aufgenommen werden, die aber dann in den konkreten Lebensbereichen oft zur Handlungsunfähigkeit veranlassen, da das System ganz einfach keinen Raum lässt, bestimmte Fälle des Alltags zu berücksichtigen, die also zum Beispiel auch nicht Honoriert werden (vgl.: Der Arzt hat für einen Patienten ca. 8 Minuten zur Verfügung.. die Verrechnung erfolgt über ICD-10, jedoch ist dort nicht vermerkt, dass ein offenes und lockeres Gespräch die Arzt-Patient-Beziehung verbessert und vielleicht erst dadurch eine wahrheitsgetreue Anamnese zulässt). All diesen Problemen muss sich die Informatik stellen, natürlich in der Hoffnung, die Philosophie als Ratgeber zur Seite zu haben.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 14. März 2010 um 21:18 Uhr